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Vereinbarkeit ist gescheitert

Gastgeberin
Isabell Prophet

Vereinbarkeit ist gescheitert. Seit einigen Jahren schon fragt sich unsere Gesellschaft, wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie funktioniert. Ich würde sagen: Gar nicht. Nicht so, wie sie gefordert wird. Mit Vereinbarkeit ist gemeint, dass Eltern Job und Familie zusammenkriegen, ohne dass eines davon leidet.

Nach der Freizeit wird erst gar nicht mehr gefragt. Kein Wunder, dass so viele Menschen Angst haben, eine Familie zu gründen. Vereinbarkeit ist gescheitert. Wir brauchen etwas Neues. Wir brauchen Kooperation in der Gesellschaft, so wie Paare sie auch leben. Und wir brauchen die öffentliche Akzeptanz, dass Kinder haben ziemlich normal ist. Selbst Eltern haben das nicht immer verinnerlicht. 

Mit dieser Einstellung können wir aus einem allgemeinen Unwohlsein etwas Neues machen. Etwas Besseres. Ein gutes Leben.

In der neuen Folge RUSH HOUR erzähle ich, wie es zum Primat der Arbeit kam und wieso wir heute so fest daran glauben. Und ich erzähle, was Menschen in der Rush Hour des Lebens tun können, damit wir uns mehr Raum verschaffen. Das ist nicht nicht nur eine Frage von Zeit – wir haben ja Zeit. Es ist eine Frage von Energie für das Leben. Die ist momentan unklug verteilt. Das können wir ändern. 

Skript

80 Prozent der Menschen bekommen irgendwann in ihrem Leben ein Kind. Wenn ihr euch draußen auf der Straße umschaut, seht ihr all diese Menschen ohne Kind rumlaufen. Doch je älter sie sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie Kinder haben. Diese Kinder sind nur gerade woanders. Beim anderen Elternteil oder in der Kita, in der Schule oder zu Hause oder wo auch immer. Von zehn Fünfzigjährigen haben acht Kinder geboren. Kinder sind normal. Familien sind normal.

Trotzdem werden Kinder und Eltern in der Öffentlichkeit noch immer behandelt, wie ein schwer zu ertragender Sonderfall. 

Und das ist kein Wunder. Viele Jahrzehnte lang versteckten Mütter die Kinder. Sie sollten nicht stören, sie sollten nicht im Weg sein, sie sollten keinen Einfluss auf die Arbeit der Väter haben. Oder auf deren Erholungszeit. Selbstbestimmtheit der Mütter? Die wäre ein Problem gewesen.

Wer heute einen älteren Chef hat, der hat in der Regel einen, der es gewohnt war, dass Kinder aus dem Weg gehalten wurden. Viele von uns jüngeren haben noch gelernt, dass die Arbeit der Eltern immer Vorrang hatte. Als Kinder haben wir das hinterfragt. Doch wir haben so lange Widerspruch geerntet, bis niemand mehr gefragt hat. Das Primat der Arbeit war zum allgemeinen Konsens geworden. Wenn nur genug Menschen an etwas glauben, dann gilt es als wahr.

Und ich habe auch gar nichts gegen Arbeit. Ich arbeite gern. Wir bringen meine Tochter in die Kita, damit mein Freund und ich entspannt arbeiten können – aber auch, weil sie viel lieber mit Gleichaltrigen zusammen ist, als mit uns. Das wird heutzutage noch immer bei vielen Menschen als Fremdbetreuung verunglimpft, sorgt aber dafür, dass wir alle drei schöne Tage haben.

Vereinbarkeit nennt man das dann. Vereinbarkeit wurde notwendig, weil Frauen auch arbeiten wollten. Kinder und Haushalt sollten es früher sein, die der Frau die Bestätigung gaben. So hat man uns jahrzehntelang verarscht. Aber heute glaubt niemand mehr daran. Im Übrigen müssen viele arbeiten, selbst wenn sie es gar nicht wollen, denn was ältere Generationen uns an Mieten, Hauspreisen uns Arbeitsverträgen zumuten, ist für Einzelverdiener nur am obersten Gehaltssegment noch tragbar.

Für die Gleichberechtigung ist das gut. Denn die unsichtbaren Kinder galten früher als Zusatz im Leben, als Zeugungsverpflichtung der Männer, dessen Ergebnis dann noch versorgt werden musste. Die Freude an den Kindern hatte die Mutter zu haben.

Heute sehen wir das nicht mehr so. Freude an der Familie ist heute etwas Freiwilliges. Beide Elternteile wollen sie empfinden. Und das Gleiche gilt für die Arbeit.

Arbeit ist Selbstverwirklichung. Arbeit kann glücklich machen, sie kann den Einfluss eines Menschen auf die Welt stärken. Arbeit ist es, was viele von uns heranziehen, um sich selbst zu definieren. Menschen wünschen sich Arbeit, um sich selbst einen Sinn zu geben und sich selbst zu versorgen. Unabhängig zu sein. Sie wollen sich fordern und sich bestätigen. Das ist der Zeitgeist und ich hoffe sehr, dass das Leben, das Drumherum, bald wieder wichtiger wird für das Bild, das wir als Menschen von uns haben.

Wenn die Trennung von Arbeit und Familiensorge nicht mehr stattfindet, wenn beide Elternteile beides tun wollen, dann wird es unbequem.

Vereinbarkeit sollte ein leichter Ausweg sein, aber es gibt keine leichten Auswege aus fundamentalen Veränderungen. Wir brauchen einen Lernprozess, um mit dieser Lage klar zu kommen. Das ist vollkommen normal!

Vereinbarkeit war ein Irrweg

Elternschaft verlangt hundertprozentiges Engagement. Arbeitsleben verlangt hundertprozentiges Engagement. So scheitert die Vereinbarkeit am Absolutheitsanspruch in unserer Gesellschaft. Wir sind in den vergangenen Jahren in ein schwarz-weiß Denken hineingerutscht, das sich als Falle herausgestellt hat. Und so leicht kommen wir da nicht mehr raus. 

Leidenschaft, Commitment, Einsatzbereitschaft, alles geben, an die eigenen Grenzen gehen und darüber hinaus. All diese tollen Ideen an ein erfülltes Arbeitsleben strahlten so glanzvoll über uns. Und so haben sie klammheimlich einen immensen Schaden angerichtet. Plötzlich stehen wir da mit einem Ideal von Berufstätigen – die keinen Raum mehr für ihr eigenes Leben haben.

Es beginnt damit, dass Menschen Verabredungen absagen, um am nächsten Tag wieder fit für den Job zu sein. Es geistert als Witz durchs Internet, dass dann beide froh sind, dass abgesagt wurde – und sich einen ruhigen Abend machen, während sie die gleiche Serie bei Netflix schauen. Aber was ist daran eigentlich so witzig?

Es beginnt damit. Und es geht weiter mit der Angst der Menschen, dem Familienleben nicht gewachsen zu sein. Weil alles immer so schlimm klingt. 

Kinder. Windeln. Geschrei. Nach Feierabend noch um kleine Wesen kümmern, wenn doch eigentlich schon keine Energie mehr da ist. Wie soll das gehen? Und bleibt dann noch etwas von der eigenen Persönlichkeit übrig?

Die Antwort ist natürlich – Nein. Wie denn auch? Wenn 100 Prozent der Energie in den Job geht und dann der innere Prozessor übertaktet wird, um noch ein wenig Familienzeit reinzukriegen, dann bleibt nichts für den Menschen übrig. Das Gleiche gilt auch ohne Familie: Wer 100 Prozent im Job gibt, der hat keine Energie für anderes. So einfach ist das.

Kein Wunder, dass Menschen davor Angst haben. Hatte ich auch. Und eine Lösung gibt es nicht. Jedenfalls keine innerhalb der aktuellen Strukturen. Das können wir mit ziemlicher Sicherheit sagen, denn unsere Gesellschaft hat es lang genug probiert.

Kitaplätze gibt es. Sicherlich dauert die Suche an einigen Orten länger und ganz sicher ist das Verteilsystem oft furchtbar ineffizient. Aber im Großen und Ganzen läuft es ziemlich gut. Mit den Kitas wurde Zeit geschaffen. Arbeitszeit. 

Nur war die Zeit nicht das Problem. Die Energie war das Problem. Die Energie, die Menschen haben, um ihr Leben zu leben. Und deshalb stehen wir hier nach Jahren der Familienpolitik – und suchen noch immer nach der Vereinbarkeit. Aber Vereinbarkeit geht nicht.

Eltern müssen die Welt nicht retten

Die Frage nach der Vereinbarkeit unterstellt, dass die Eltern die perfekte Lösung suchen müssen. Aber das müssen sie nicht. Es gibt da auch nichts zu finden, denn Ressourcen sind endlich. Und Eltern sind schon ein ziemlich hartes Völkchen. Sie wachsen an ihren Aufgaben. Aber zerreißen können sie sich auch nicht – nicht, dass es noch niemand versucht hätte.

Wer will, dass Arbeit und Elternschaft und ein gutes Leben als eigenständige Person gelingen, der muss dafür gute Bedingungen schaffen. Und damit meine ich nicht noch mehr Kinderbetreuung. Wir haben Kinderbetreuung.

Aber gute Bedingungen für Familien brauchen mehr. Vereinbarkeit ist ein Irrweg, weil sie davon ausgeht, dass 100 Prozent von allem möglich sind. Aber das ging nur so lange, wie die 100 Prozent des einen Elternteils zu Lasten des Lebens des anderen Elternteils ging.

Ob wir die Frage nach der Vereinbarkeit nun Männern oder Frauen oder Non-binary Menschen stellen, ist deshalb irrelevant. Niemand sollte sie beantworten müssen. Die Frage nach der Vereinbarkeit ist von gestern. Sie hat sich nicht bewährt.

Deswegen müssen wir aufhören, die Frage nach der perfekten Lösung zu stellen. Wir müssen akzeptieren, dass gute Arbeit nicht bedeutet, die Familie hinter sich zu lassen. Wir müssen akzeptieren, dass gute Eltern arbeiten dürfen und können.

Die bessere Frage geht so: Sie sind Elternteil – was kann unsere Institution für Sie tun, damit alles gut läuft?

Und ich weiß genau, dass einige von euch jetzt denken: Aber warum sollte die Firma das tun? Warum sollte ein Chef nicht einfach jemanden einstellen, bei dem keine Querschläger aus der Familie drohen? Warum nicht den Mann einstellen, statt der Frau?

Die Antwort ist ziemlich einfach: Weil es in Zukunft schwer werden wird, jemanden zu finden, der keine Familie hat und will. Oder der sich in dieser Familie nicht einbringt. 

Wir stecken mitten in einem Kulturwandel. Menschen ändern sich. Das Verständnis von gut und richtig ändert sich. Väter, die nur zwei Monate Elternzeit nehmen, werden in einigen Kreisen schief angeschaut. Diese Veränderungen passieren derzeit nur in einer Blase, das ist mir bewusst. Wir sehen einen großen Feldversuch. Familien testen ein neues Modell der Kooperation. Und sie verlangen, dass auch die Firmen kooperieren.

Der Rückschritt, der Corona sein könnte, ist nicht wirklich einer. Ich habe das neulich erst für ZDFheute recherchiert. Ich wollte einen Artikel darüber schreiben, dass Corona Frauen in traditionellere Rollen treibt. Und es gibt einige Anhaltspunkte dafür, zum Beispiel bei den Krankentagen. Doch das Gesamtbild ist ein anderes.

Wir sehen mehr Väter, die sich einbringen. Familienleben wird sichtbarer, die Anforderungen dieses Lebens werden in die Firmen getragen. Väter arbeiten mehr von zu Hause aus, Hausarbeit wird gerechter aufgeteilt. Gleichstellung ist noch fern. Aber wir nähern uns. 

Wir brauchen eine ganz neue Haltung dem Leben gegenüber. Eine umfassendere.

Das wird in Zukunft bedeuten, dass Menschen über ihre Arbeitszeit flexibler entscheiden können, wenn die Jobs es zulassen. Und auch für die Jobs, bei denen Lebensfreundlichkeit bislang undenkbar scheint, werden wir Lösungen brauchen. 

Wir sehen jetzt schon, dass Menschen Jobs verlassen, weil sie nicht mehr erträglich sind und weil die Kompensation nicht reicht. Nach dem Ende der Corona-Pandemie werden Millionen Menschen ihre Jobs in der Pflege kündigen. In meinem Freundeskreis häufen sich die Jobwechsel, weil Führungskräfte Family First nicht unterstützen.

„Normal“ ist nur ein Glaube

Viele der Sorgen von Familien sind historisch gewachsen. Sie sind dem geschuldet, was unsere Gesellschaft als normal empfindet. Normal war wie gesagt, dass Kinder versteckt wurden. Von Frauen. Heute wollen wir das nicht mehr. Das bedeutet, dass wir uns einem neuen Normal stellen müssen. Nicht eines der Vereinbarkeit. Sondern eines der Zusammenarbeit.

Ein gutes Beispiel für diese historischen Pfade ist unsere Arbeitszeit.

Die Arbeitszeit von 40 Stunden in der Woche sind nur eine Momentaufnahme. Früher waren 70 Stunden in der Woche normal, das reduzierte sich immer weiter. Es spricht nichts dagegen, künftig 32 Stunden als normal anzunehmen. Was wir als normal sehen, ist nichts weiter, als ein gesellschaftlicher Konsens.

Auch die 40 Stunden könnten wir als Übel sehen. Wäre die Wirtschaft nicht viel leichter zu lenken, wenn alle 50 Stunden arbeiten würden? Was spricht dagegen? Gut, es wäre voll scheiße. Aber davon ab?

Wir wollen keine 50 Stunden, weil wir die 40 gewohnt sind und wir sehr intuitiv spüren, dass 50 zu viel sind. Doch wären wir die 32 gewöhnt, dann würden wir für die 40 Stunden ebenso empfinden. Sie sind zu viel. 

Ein solches Umdenken müssen wir uns erlauben. 

Ebenso müssen wir uns die Flexibilität erlauben. Schreibe ich so etwas bei LinkedIn, dann gibt es viel Zustimmung – aber auch kritische Stimmen. Dann heißt es, kinderlose müssten für Eltern einspringen. 

Das Spannendere daran ist: Wir stehen vor einer Pflegekatastrophe. Die wird kommen. Dann werden mehr von uns ihre Eltern pflegen müssen. Das bedeutet: Spontan sein, einspringen können, kleine Feuer überall und, wann immer eine Krise bewältigt ist: warten auf die nächste Krise.

Nun könnte man argumentieren: Für Eltern einspringen ist schlimmer, weil Eltern sich selbst ausgesucht haben, Kinder zu bekommen. Doch niemand hat sich ausgesucht, Eltern zu haben.

Das ist zwar bestechend logisch, aber kein besonders nachhaltiges Weltbild. Denn dann war es das bald mit der Menschheit.

Eltern sein und Eltern haben verlangt nach einer gewissen Beweglichkeit, das stimmt. Oft geht es eher darum, dass Arbeitszeiten anders im Tagesablauf untergebracht werden. 

Was aber nicht stimmt: Dass Kolleginnen und Kollegen ständig für Eltern einspringen müssen. Eben weil es ein gutes Betreuungssystem gibt. Und weil nicht jeden Tag etwas Unvorhergesehenes passiert, das sofortiges Eingreifen erfordert. Wenn beide Eltern sich um die Kinder kümmern, dann halbiert sich die Zahl der Einsätze auch noch.

Und wenn doch mal etwas passiert? Ich frage mich, warum das so schlimm sein soll. Es ist eine Frage der Kooperation und eine der Mechanismen, die wir schaffen. Wenn in einer Abteilung mehrere Eltern arbeiten und es passieren kann, dass jemand fehlt und das zum Problem wird, dann schafft man Bereitschaftsdienste und versieht sie mit einem Bonussystem.

Hier könnte man erneut fragen, welches Interesse Unternehmen daran haben sollten. Aber zur Erinnerung: 80 Prozent der Menschen werden irgendwann Eltern.

Eltern sind viele. 

Ohne uns geht es nicht.

Und wir Mütter, wir lassen uns nicht mehr dafür einspannen, die Familie zu verstecken. Väter lassen sich nicht mehr von ihren Familien fernhalten, um für den Gewinn anderer ein Karrierespiel zu spielen.

Und ich weiß, dass viele Menschen noch immer Angst haben, selbstbewusst für ihre Interessen einzutreten. Aber das müssen wir machen. Wir sind viele und wenn wir zu unseren Bedürfnissen stehen, dann können wir uns die Arbeitswelt so zurecht legen, dass Zeit für die Familie bleibt – und für ein gutes Leben. 

Was können wir also tun?

Zunächst einmal brauchen wir eine kritische Masse. Wir Familien sind natürlich schon längst eine kritische Masse, aber so lange wir nicht wie eine auftreten, wird sich nichts ändern. Es gibt eine Grundbedingung, die immer gilt und immer gelten wird:

Eltern müssen aufhören, es sich gegenseitig schwer zu machen. All die kritischen Blicke, die Absolutismen, der immer wiederkehrende Glaube daran, dass die eigene Erfahrung etwas darüber aussagt, wie es wirklich ist. All diese Dinge machen es Eltern schwer. Und Eltern machen es sich selbst damit schwer. Und ich will keinesfalls behaupten, dass alle so sind. Damit würde ich mir ja mein eigenes Argument zersägen. Aber ich erlebe immer wieder, dass Eltern so sehr an die absolute Wahrheit ihrer eigenen Erfahrungen und Meinungen glauben, dass sie übersehen, dass Menschen – also Kinder und Erwachsene – unterschiedlich sind, Dinge unterschiedlich erleben und bewerten, und dass daraus unterschiedliche Wahrheiten resultieren. 

Und da gibt es kein Aber. Es ist einfach so. Eltern können einander inspirieren, sie können Ideen anbieten oder einfach nur zu hören. Sie werden selten in der Lage sein, mit ihrer selbst bestimmten Weisheit irgendjemanden zu belehren. Denn dafür fehlt immer die Einsicht. 

Ja, immer und absolut, zumindest an dieser Stelle. 

Erst wenn wir diese Verschiedenheit akzeptieren, können wir trotzdem eine Masse formen. Erst dann können wir akzeptieren, dass wir wirklich viele sind.

Mit diesen Selbstbewusstsein können Menschen in ihre Firmen gehen. Sie können sich absprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Das wird der Arbeit nicht schaden, das dient ihr. Und vor allem wird es das Leben besser machen. Oft zitiert, immer noch wahr: Am Ende des Lebens bereut niemand, es dem Konzern nicht leichter gemacht zu haben. Rückblickend bereuen wir immer, uns nicht mehr für unsere eigenen Bedürfnisse eingesetzt zu haben. Und ich schätze mal, wenn ihr da draußen mal in euch geht, dann gilt das jetzt schon. 

Kooperation, das tief empfundene Bedürfnis, zusammen zu arbeiten, prägt Familien. Starke Paare tun genau das: Sie halten zusammen. Sie schaffen Strukturen, die so verlässlich sind, dass beide planen können. Aber auch Strukturen, die so flexibel sind, dass Ausfälle möglich werden. Und wir gehen grundsätzlich davon aus, dass beide Eltern sich engagieren. Natürlich ist das nicht immer so. Es klappt nicht immer und manche wollen auch nicht. 

Aber in der Grundidee funktioniert es genau so: Struktur schaffen, Flexibilität erhalten. Und alle machen mit und vertrauen darauf, dass die anderen es auch tun. Eine solche Grundhaltung erlaubt Freizeit. Sie erlaubt einen entspannten Abend allein. Sie erlaubt, auch mal ganz klar zu sagen: Ich WILL unsere Kinder heute nicht ins Bett bringen. Bitte mach du es allein. 

Der Subtext lautet: Und du kannst dich darauf verlassen, dass ich es mache, wenn es dir mal so geht.

Hier werden nicht nur Lasten verteilt, sondern auch Bedürfnisse. Das ist die Grundlage einer gelingenden Partnerschaft in der Familie. 

Und genau das können wir uns als Gesellschaft zum Vorbild nehmen. Dieser grundsätzliche Glaube daran, dass wir alle die gleichen Dinge wollen. Gut leben, gut arbeiten, für unsere Familien da sein, es ist ja wirklich so einfach. Erst, wenn wir wirklich verinnerlicht haben, dass die meisten Menschen mehr oder weniger das Gleiche wollen, ist diese Kooperation möglich. Wenn wir zusammen arbeiten und an einander glauben, dann brauchen wir keine Vereinbarkeit, die immer mehr Lasten an einen Muskel hängt, der nicht wachsen kann und schon längst zu reißen droht.

Wir können dann unsere Leben leben. Und das scheint mir sehr erstrebenswert zu sein. 

Vielen Dank dass ihr dabei wart. In der kommenden Woche sprechen mein Freund Andreas Rickmann und ich darüber, wie wir uns als Selbstständige mit Familie organisieren. Zur Episode über Freundschaft zwischen Eltern und Kinderlosen mit Christiane Germann: bitte hier entlang.

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